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Ich höre was, was Du nicht hörst
Tinnitus ist der medizinische Fachausdruck für Ohrgeräusche oder Ohrensausen.
Jeder Vierte von uns hat dieses Phänomen schon mal wahrgenommen. Meistens und glücklicherweise nur vorübergehend. Oft wird es als Pfeifen, Rauschen, Zischen oder Summen erlebt. Wenn Sie ein Beispiel eines Ohrgeräusches hören möchten, dann besuchen Sie die Homepage der Tinnitus-Liga. www.tinnitus-liga.de
Den unterschiedlichsten Geräuschen im Kopf oder in den Ohren ist eins gemein: Bis auf seltene Ausnahmen hört sie nur der Betroffene selbst. Man spricht dann vom subjektiven Tinnitus.
Tinnitus ist keine Krankheit
Tinnitus ist ein Symptom, vergleichbar dem Schmerz. Tinnitus ist immer auch ein Warnsignal, dass wir uns übernommen haben, im körperlichen oder seelischen Bereich. Nicht das Symptom Tinnitus muss vordringlich behandelt werden, sondern die Ursachen. Deswegen ist die Diagnostik sehr wichtig.
Ursachen: Vielfalt und Unklarheit
Als Ursachen kommen Hörbeeinträchtigungen, Lärmschäden, Morbus Menière (Drehschwindel) und andere organische Erkrankungen in Betracht. Auch der Hörsturz ist oft von einem Tinnitus begleitet. Probleme mit der Halswirbelsäule oder im Zahn-Kiefer-Bereich können auslösende oder verstärkende Ursachen sein. Neben medizinischen Ursachen vermuten die Hälfte aller Betroffenen Lärm und Stress als Auslöser.
Oft lassen sich die Ursachen beheben oder gut behandeln. Häufiger werden jedoch gar keine organischen Ursachen gefunden. In beiden Fällen kann das Ohrgeräusch wieder völlig abklingen, es kann aber auch bleiben. Dies wird nach einigen Wochen mit Tinnitus um so wahrscheinlicher. Darum ist eine frühzeitige Behandlung im Akutfall angezeigt.
Mit Tinnitus unbeschwert leben
Selbst wenn der Tinnitus bleibt (chronischer Tinnitus), wird er in den meisten Fällen erträglich: Hiervon berichtet die Hälfte aller Betroffenen in Deutschland, die sich gar nicht oder nur geringfügig gestört fühlen.
Gleichwohl kann Tinnitus den Charakter einer Krankheit annehmen: Wenn er zu einer schweren Belastung im täglichen Leben wird. Und wenn daraus weitere Krankheiten resultieren. Tinnitus wird dann zum Lärm der Seele. Dagegen lässt sich jedoch einiges unternehmen. Denn Tinnitus ist ein Phänomen, das gerade durch falsche Information, Resignation und Angst genährt wird.
Aufklärung, Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen sowie Lebensfreude lassen den Tinnitus in den Hintergrund treten. Er wird erträglich. Man spricht dann von einem kompensierten Tinnitus. Viele haben das geschafft. Manchmal benötigt dieser Lernprozess in einen erträglichen Tinnitus Zeit. Manche benötigen dazu auch therapeutische Hilfe.
Im Akutfall: Wenn Ohrgeräusche erstmalig auftreten
Bewahren Sie Ruhe! Und schlafen Sie einmal richtig aus. Sollten Ihre Geräusche am nächsten Morgen noch vorhanden sein, ist eine umgehende Untersuchung "als Eilfall" beim HNO-Arzt angeraten. Haben Sie Ohrgeräusche gepaart mit einem tauben Ohr, sollten Sie gleich zum HNO-Arzt gehen. Dann besteht Verdacht auf einen Hörsturz.
Bei der Behandlung gilt die Regel: "Je früher desto besser!" Dadurch erhöhen Sie Ihre Heilungschance. Bei vielen Betroffenen wird der akute Tinnitus vollständig beseitigt.
Der HNO-Arzt wird nach einer Untersuchung des Ohrs eine entsprechende Behandlung einleiten. In der Regel erhalten Sie durchblutungsfördernde Medikamente, auch als Infusionen. Dadurch soll das Innenohr besser versorgt werden. Die Behandlung auf Durchblutungsstörungen ist lediglich eine erste Verdachtsdiagnose. Deswegen müssen häufig weitere Diagnoseschritte erfolgen.
Tipps + Infos
- Eine Krankschreibung hilft. Manchmal auch ein Krankenhausaufenthalt. Sie können so Abstand von beruflichen oder familiären Belastungen gewinnen.
- Ruhe und positive Gedanken fördern Ihren Selbstheilungsprozess.
- Sie werden manchmal an andere Fachärzte überwiesen, um weitere Ursachen abzuklären.
- Die meisten Ursachen können behandelt oder gar behoben werden.
- Tinnitus ist ein gutartiges Symptom. Es ist kein Hinweis auf eine schwerwiegende oder gar lebensbedrohende Krankheit.
Selbst wenn der Tinnitus bleibt (chronischer Tinnitus), verliert er mit der Zeit an Bedeutung und wird erträglich. Es ist ein Prozess, der manchmal auch Zeit und Geduld verlangt.
Wenn Ohrgeräusche andauern: Chronischer Tinnitus
Nach einigen Wochen ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie ihr Geräusch verlieren. Diesen Zustand beschreibt man als chronischen Tinnitus. Sie können aber trotzdem ein unbeschwertes und erfülltes Leben führen.
Andauernd aber erträglich
Der Begriff "chronischer Tinnitus" besagt lediglich, dass Sie andauernde Ohrgeräusche haben. Er besagt nicht, dass Sie deswegen leiden müssen oder krank sind. Selbst nach einer anfänglich starken Belastung gilt: Nach dem dunklen Tunnel wird es wieder hell! Die Mehrzahl der Betroffenen hat gelernt, ihr Ohrgeräusch zu akzeptieren. Sie fühlen sich nicht oder kaum gestört. Weil Sie ihre Aufmerksamkeit wichtigen Dingen und Geräuschen widmen. Und nicht dem Tinnitus.
Seelische Belastungen meistern
Gleichwohl gibt es Patienten, die durch den chronischen Tinnitus anfänglich oder längerfristig eine massive Beeinträchtigung erfahren. Sowohl beruflich als auch im privaten Bereich. Dieses Leiden wird nicht durch den Tinnitus verursacht. Es sind Folgeerscheinungen, wie Konzentrationsstörungen, Einschlafstörungen, Überempfindlichkeit bei lauten Geräuschen (Hyperakusis), depressive Phasen, Einschränkung der sozialen Kontakte und zeitweiser Verlust des Selbstvertrauens. Tinnitus wird zum Lärm der Seele!
Diese Symptome und Krankheiten können Sie in den Griff bekommen. Wenn Sie Ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Haben Sie Mut und Zuversicht. Dann gelingt es auch Ihnen.
Eigene Mitarbeit wirkungsvoll: Tinnitus-Behandlung
Bei andauernden Ohrgeräusche ist das oberste Therapieziel, dem Tinnitus keine Aufmerksamkeit zu schenken. Sie können lernen, ihn einfach zu überhören. Viele Betroffene schaffen dies innerhalb des ersten Jahres. Gönnen Sie sich dafür Zeit und Geduld.
Aufmerksamkeit wichtigen Dingen widmen
Der Mensch reagiert auf ein unbekanntes Geräusch zunächst immer mit erhöhter Aufmerksamkeit. Tinnitus ist zu Beginn immer auch ein Warnsignal. Dass wir uns körperlich oder seelisch übernommen haben. Deswegen sollten Sie die Ursachen aufspüren und möglichst beheben. Dann wissen Sie, dass der Tinnitus bedeutungslos und harmlos ist. Spätestens ab diesem Zeitpunkt können Sie Ihre Aufmerksamkeit den bedeutenden Dingen im Leben zuwenden. Und nicht dem unwichtigen Tinnitus.
Persönlich abgestimmte Therapie
Allgemein gilt: Eine gesunde Lebensführung, eine positive Lebenseinstellung und Entspannungsübungen sind hilfreich. Ebenso der Erfahrungsaustausch mit Gleichbetroffenen in Selbsthilfegruppen. Alle weiteren Therapieschritte müssen individuell auf Sie abgestimmt werden. Denn gerade wenn Tinnitus zum Leiden wird, spielen seelische Faktoren eine übergeordnete Rolle. Ersparen Sie sich also Zeit und Nerven, indem Sie von Arzt zu Arzt rennen, in der Hoffnung, dass er Ihren Tinnitus beseitigt.
Sie entscheiden über den Erfolg
Sie müssen selbst aktiv werden und lernen, den Tinnitus zu tolerieren! Bei der Auswahl nützlicher Werkzeuge zur Bewältigung Ihres Tinnitus hilft Ihnen die Deutsche Tinnitus-Liga. Mit unabhängiger Information und nützlichen Tipps. Aber: Sie entscheiden, ob Sie dank einer guten Werkzeugkiste auch ein guter Handwerker werden.
Tipps + Infos
- Suchen Sie sich einen Arzt des Vertrauens. Aber: Geben Sie Ihre Verantwortung nicht beim Arzt ab.
- Scheuen Sie nicht, auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen!
- Machen Sie Ihren Tinnitus nicht zum Lebensmittelpunkt. Und ziehen Sie sich nicht zurück.
- Aufklärung, Selbsthilfe, Selbsthilfegruppen und Lebensfreude lassen Ihren Tinnitus in den Hintergrund treten. Hierbei hilft Ihnen die Deutsche Tinnitus-Liga
- Ein Therapiefahrplan, um die Geräusche zu überhören, liefert die Retrainingtherapie & die Bewältigungstherapie. Hier arbeiten Ärzte, Psychologen und Hörgeräteakustiker Hand in Hand, um auf Ihre individuelle Situation einzugehen. Sie können diese Bausteine auch selbst zusammenstellen. Mit unserer Hilfe.
Tinnitus-Kliniken
Für alle Betroffenen mit hohem Leidensdruck gibt es in Deutschland ein einzigartiges Netz an Tinnitus-Kliniken. Alle verfolgen einen psychosomatischen Therapieansatz. Hier gibt es gute Chancen, die Lebens- und Arbeitsfähigkeit deutlich zu verbessern.







