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Hörsturz


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Ein Hörsturz trifft die Betroffenen meist wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Plötzlich können sie auf einem oder beiden Ohren nur noch sehr schlecht oder gar nicht mehr hören. Begleitet wird die Erkrankung in vielen Fällen von einem dumpfen Gefühl im Ohr, Ohrgeräuschen oder Schwindel. Häufigste Ursache für plötzlichen Hörverlust ist eine Durchblutungsstörung des Innenohres. Auch virale Infektionen und Autoimmunerkrankungen werden als auslösende Faktoren diskutiert. Um gute Heilungserfolge zu erzielen, sollte möglichst frühzeitig nach dem Auftreten eines Hörsturzes mit der Behandlung begonnen werden.

Definition

Beim Hörsturz handelt es sich um eine plötzlich, ohne erkennbaren Anlass auftretende, meist einseitige Hörminderung von unterschiedlichem Schweregrad bis hin zur Ertaubung. Seine Ursache liegt in einer Funktionsstörung des Innenohres, weshalb im Gegensatz zur so genannten Schallleitungsstörung, die im äußeren Ohr oder im Mittelohr entsteht, auch von Schallempfindungsschwerhörigkeit oder sensorischer Schwerhörigkeit gesprochen wird.

Ursachen und Entstehung

Der genaue Entstehungsmechanismus von Hörsturz konnte bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Vermutet wird ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die zu einer Änderung der Durchblutungsverhältnisse am Innenohr führen. Hier befinden sich die für das Hören zuständigen Sinneszellen, die so genannten Haarzellen. Geräusche von außen erzeugen in diesen Zellen ein elektrisches Signal, das über den Hörnerv an das Hörzentrum im Gehirn weitergeleitet wird. Die Haarzellen werden durch kleine Blutgefäße mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Kommt es in diesen Blutgefäßen zu einer Mangeldurchblutung, werden die Haarzellen geschädigt und in ihrer Funktion erheblich beeinträchtigt. Hörverlust ist die Folge.
Als häufigster Grund für eine Störung der Durchblutung des Innenohres werden Verschlüsse der Blutgefäße durch kleine Blutgerinnsel (Thrombus, griech. thrombos), ähnlich den Gefäßverschlüssen bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, vermutet. Alle Faktoren, die eine Verdickung oder erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes begünstigen, tragen somit zur Auslösung eines Hörsturzes bei. Erhöhte Blutfettwerte auf Grund angeborener oder erworbener Fettstoffwechselstörungen bzw. falscher Ernährungsgewohnheiten mit einem hohen Fettanteil in der sind hier an erster Stelle zu nennen. Cholesterin lagert sich in die Gefäßwände ein, wodurch sich die Blutgefäße verengen und der normale Blutfluss behindert wird. Auch eine zu hohe Konzentration von gerinnungsfördernden Stoffen im Blut beeinträchtigt die Blutzirkulation in den kleinen Gefäßen des Innenohres. Sind die Blutgefäße durch Arteriosklerose (= Arterienverkalkung) vorgeschädigt, besteht eine erhöhte Gefahr, dass sich Blutgerinnsel in den Gefäßen festsetzen. Bluthochdruck und übermäßiger Nikotingenuss gelten deshalb ebenfalls als Risikofaktoren für die Ausbildung eines Hörsturzes.
Auch starke Blutdruckschwankungen, insbesondere plötzlicher Abfall des Blutdrucks, und Herzerkrankungen wie Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) oder Angina pectoris können eine Minderdurchblutung der Haarzellen im Ohr bewirken. Darüber hinaus wurde ein Zusammenhang zwischen schweren seelischen Belastungs- und Konfliktsituationen und dem Auftreten von Hörsturz beobachtet.
Neben einer mangelnden Durchblutung des Innenohres werden virale Infektionen, Autoimmunerkrankungen und ein Durchbruch (Ruptur) der dünnen Trennwand zwischen Paukenhöhle und Innenohr bei einer Verletzung als begünstigende Faktoren für die Entstehung eines Hörsturzes angegeben.

Häufigkeit

Der Hörsturz ist die häufigste Funktionsstörung des Innenohres. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland mehr als 250.000 Menschen pro Jahr unter plötzlichem Hörverlust unterschiedlichen Schweregrades, wobei zunehmend auch Jüngere davon betroffen sind. Zwar liegt der Altersgipfel für die Erkrankung im 50. bis 60. Lebensjahr, doch der Anteil der 30- bis 40-jährigen steigt ständig. Dabei trifft es Frauen genauso häufig wie Männer.

Symptome

Der Hörverlust tritt plötzlich, in der Regel ohne erkennbaren Anlass auf und betrifft meist nur ein Ohr. Hörsturzpatienten nehmen Geräusche anders wahr, der Hörverlust kann dabei entweder die hohen, die mittleren oder die tiefen Frequenzen betreffen. Der Schweregrad der Hörminderung ist dabei unterschiedlich und reicht von leichten Fällen bis hin zur kompletten Taubheit. Die Patienten berichten häufig von einem dumpfen Druckgefühl, als hätten sie "Watte im Ohr". Begleitend treten in etwa 80 % der Fälle Ohrgeräusche (Tinnitus) und in 30 % Schwindelsymptome auf.

Diagnose

Beim Hörsturz handelt es sich um einen medizinischen Eilfall und nicht um einen Notfall. Treten Symptome wie plötzliche Hörminderung, dumpfes Gefühl im Ohr, Ohrgeräusche oder Schwindel auf, sollte unverzüglich ein Facharzt aufgesucht werden. Nur er kann feststellen, ob es sich um einen Hörsturz oder eine andere Erkrankung bzw. Verletzung handelt. Wird der Hörsturz nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, besteht das Risiko, dass das Hörvermögen nicht mehr vollständig wiederhergestellt werden kann. Im schlimmsten Fall droht völlige Taubheit.
Neben der Feststellung der Symptome durch die Befragung des Patienten (Anamnese) werden verschiedene Untersuchungen zur Funktionsfähigkeit des Ohres eingeleitet. Mit Hilfe der Ohrspiegelung (Otoskopie) wird sichergestellt, dass der Verlust der Hörfähigkeit nicht auf einer Verstopfung des äußeren Gehörganges durch Ohrenschmalz (= Cerumen) oder einer Verletzung des Trommelfells beruht. Hörprüfungen wie Tonaudiometrie, Stimmgabelprüfung und Sprachaudiometrie schließen sich an, um das Ausmaß der Schwerhörigkeit festzustellen und eine Innenohrschwerhörigkeit (Schallempfindungsschwerhörigkeit) von einer Hörminderung auf Grund einer Schädigung des äußeren Ohres bzw. des Mittelohres (Schallleitungsschwerhörigkeit) abzugrenzen.

Therapie

Die Behandlung des Hörsturzes zielt darauf ab, die Durchblutung des Innenohres wiederherzustellen, so dass sich die Haarzellen von der Unterversorgung mit Sauerstoff erholen können. Dabei sind die Heilungschancen umso größer, je früher mit der Therapie begonnen wird. Verschiedene Methoden können angewendet werden.

Infusionstherapie

Ausgehend von der Annahme, dass dem Hörsturz eine Durchblutungsstörung des Innenohres zu Grunde liegt, wurden Behandlungsstrategien zur Verbesserung der Blutzirkulation entwickelt. Das bisherige Standardverfahren ist die so genannte Infusionstherapie. Hierbei erhält der Patient über eine Vene (= intravenös) etwa 10 bis 14 Tage lang einmal pro Tag Lösungen, die das Blutvolumen in den Gefäßen vergrößern und das Blut verdünnen. Durch die Verdünnung des Blutes verbessern sich dessen Fließeigenschaften. Zusätzlich werden häufig Medikamente gegeben, die eine Erweiterung der Blutgefäße bewirken und auf diese Weise den Blutfluss erhöhen. Die Effektivität der sehr zeitaufwändigen Infusionstherapie wird kontrovers diskutiert.

Komplikationen

Wird Hörsturz nicht rechtzeitig behandelt, besteht die Gefahr einer dauerhaften Hörminderung. In schweren Fällen kann es zur völligen Taubheit auf dem betroffenen Ohr kommen.
Die häufigste Spätfolge eines Hörsturzes ist der so genannte Tinnitus. Dabei handelt es sich um Störgeräusche im Ohr wie Pfeifen, Klingeln oder Rauschen, die von den meisten Patienten als sehr beeinträchtigend erlebt werden.

Prognose

In vielen Fällen bessert sich ein Hörsturz auch ohne Behandlung innerhalb von wenigen Stunden bis mehreren Wochen. Studien konnten zeigen, dass der Anteil der Patienten mit spontaner Verbesserung bei bis zu 60 % liegt. Die Heilungschancen steigen allerdings bei frühzeitiger Behandlung deutlich an. So ist in 80-90 % der Fälle die Wiederherstellung der Hörfähigkeit möglich, wenn eine adäquate Therapie innerhalb der ersten Woche nach Eintreten des Hörsturzes begonnen wird.

Prophylaxe

Da ein Zusammenhang zwischen seelischer Belastung und dem Auftreten von Hörsturz beobachtet wurde, sollten vor allem Menschen, die bereits einen Hörsturz erlitten haben, Strategien zur besseren Bewältigung von Konfliktsituationen entwickeln. Das Erlernen von Entspannungstechniken wie z.B. Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (PMR) [siehe auch „Unser Angebot“  ] kann dabei sehr hilfreich sein. Grundsätzlich sollte auch übermäßige Lärmbelastung vermieden werden, da hierbei eine Schädigung der Haarzellen im Innenohr auftreten kann.
Eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse und einem geringen Fettanteil ist wichtig, um eine zu hohe Konzentrationen der Blutfette zu verhindern. Darüber hinaus sollte der Cholesterinspiegel im Blut regelmäßig überprüft werden.

Da Nikotin zu einer Schädigung der Blutgefäße führt und deshalb als Risikofaktor für die Ausbildung von Hörsturz gilt, sollte auf Zigarren- oder Zigarettenkonsum verzichtet werden. Bei bleibendem Hörverlust hilft nur noch ein Hörgerät, gegen anhaltenden Tinnitus gibt es dagegen verschiedene Therapieformen zur körperlich seelischen Entspannung an wie Ganzkörperentspannung oder Bewegungstherapie.

Man kann den Hörsturz auch als Signal werten, als Chance, etwas im Leben zu verändern und auch mal einen Gang runterzuschalten.